4 Nations Cup 2026
Es ist eine bestechende Idee: Statt pro Land eine eigene Klassenmeisterschaft auszurichten, tun sich vier Nationen im besten europäischen Geiste zusammen und veranstalten einen 4 Nations Cup, um ihre Champions in der A-Cat-Klasse zu ermitteln. Mit von der Partie waren diesmal Belgien, Deutschland, Großbritannien und die Niederlande. Wie immer werden die Meisterschaften in der A-Katamaran-Klasse in zwei Disziplinen ermittelt: Bei den Open treten die Foiler an, deren Boote sich dank ihrer profilierten Schwerter und Ruder aus dem Wasser heben können und dann rasend schnell werden. Bei den Classics muss zumindest einer der beiden Rümpfe Kontakt zum Wasser behalten, doch dank ihres Leichtgewichts von nur 75 kg sind auch diese Boote ebenso schnell wie anspruchsvoll zu segeln.
Mit den Niederlanden fand sich ein topmotivierter Ausrichter, genauer gesagt der auf Katamarane spezialisierte Club Hellecat. Dessen Segelrevier liegt auf dem Haringsvliet bei Rotterdam, direkt hinter dem großen Deich zur Nordsee. Somit hat es dort den frischen Wind vom Meer, aber weder Tide noch große Wellen.
Am ersten der drei Renntage war der Wind dann allerdings deutlich zu frisch. Stürmische Böen fegten über den Strand, die meisten A-Cat-Segler legten sogar den Mast ihrer Boote, um keine Schäden zu riskieren. An Segeln war nicht zu denken. Für den zweiten Renntag war eine weniger steife Brise angesagt, doch zunächst pfiff es weiterhin mit über sechs Windstärken. Nach einer Startverschiebung rief die Wettfahrtleitung dann zum Auslaufen auf. Nur wenige Segler von den 54 Anwesenden sowie eine unerschrockene Seglerin trauten sich aufs Wasser. Mit gutem Grund, denn es blies immer noch sehr kräftig mit 20 Knoten Grundwind, in Böen weit darüber. Was folgte, waren zwei außerordentlich harte Wettfahrten, die selbst erfahrenen Starkwindseglern den Angstschweiß auf die Stirn trieben - wo er aufgrund des vielen Spritzwassers aber nicht weiter auffiel. Der Topsspeed bei den Foilern lag bei gemessenen (nicht gefühlten) 30,4 Knoten, was rund 56 km/h entspricht.
Der Wind ließ dann endlich etwas nach und es konnten drei weitere Wettfahrten bei schönen Bedingungen gesegelt werden. Nach den insgesamt fünf Rennen kristallisierten sich die Favoriten heraus. Bei den Classics legte der erst 24-jährige Moritz Weis vom Segelverein Schluchsee eine Serie von fünf ersten Plätzen hin. In der ersten Wettfahrt war er auf dem ersten Vorwindkurs gekentert, was ihn aber nur dazu motivierte, jetzt erst recht Vollgas zu heben und downwind im Trapez stehend seinen AD3 Classic zu Höchstgeschwindigkeiten zu pushen. Bei den Foilern erzielte der Schweizer Robin Maeder Topplatzierungen, bis er mit seinem Ruder auf Grund lief und mit schwerem Schaden aufgeben musste. Heimfavorit Mischa Heemskerk, der erneut mit einem extrem biegsamen Mast im Stile eines DN-Eisschlittens angetreten war, konnte den Speed der Segler mit Normalrigg nicht ganz mithalten und hatte zudem mit technischen Problemen zu kämpfen. Dies ermöglichte es dem erfahrenen Dänen Thomas Paasch, die Favoritenrolle zu übernehmen. Rainer Bohrer, der Präsident der deutschen Klassenvereinigung und ebenfalls langjähriger A-Cat-Segler, erkämpfte sich den vorläufigen dritten Platz in diesem starken internationalen Feld.
Abends gab es zur Belohnung der geschundenen Segler ein mediterranes Menü, das so mancher Veranstaltung in Italien gut zu Gesicht gestanden hätte. Obwohl es von diesem legendären Renntag viel Seemannsgarn zu erzählen gab, gingen die Segler früh schlafen. Denn für den bevorstehenden letzten Renntag waren gute, eher leichte Windbedingungen vorhergesagt, bei denen hohe Konzentration gefordert ist und absolute Kleinigkeiten über Gedeih und Verderb bei den Platzierungen entscheiden. Die Bedingungen waren dann sogar noch besser als gedacht, es war in jeder Hinsicht ein traumhafter Tag zum Segeln. Die Wettfahrtleitung startete vier Rennen, und am Ende standen überaus würdige Sieger fest.
Bei den Classics setzte Moritz Weis seine Siegesserie nahezu unangefochten fort, er wurde nicht nur Gesamtsieger, sondern auch Deutscher Meister. Lediglich ein einziges Mal musste er bei schwächerem Wind mit einem zweiten Platz vorlieb nehmen. Moritz segelt seit acht Jahren A-Cat, hat also trotz seines jungen Alters bereits viel Erfahrung mit dieser anspruchsvollen Bootsklasse und verfügt zudem seit fünf Jahren über ein perfekt eingestelltes Boot (Exploder AD3 Classic, Fiberfoam-Mast, Landenberger Segel). Vor allem aber segelt er auf allen Kursen nicht nur extrem schnell, sondern auch absolut souverän und unaufgeregt. Selten war ein Sieg so verdient wie seiner. Die Silbermedaille ging an den erfahrenen Niederländer Sjoerd Hoekstra (DNA F1 Classic, DNA-Mast, Oxo Sail), er wurde damit niederländischer Meister. Die Bronzemedaille und den deutschen Vizemeistertitel errang Christian Stock vom Segelverein Schluchsee dank einer konstanten Serie ohne Ausrutscher (DNA 2012, Saarberg-Mast, Landenberger Segel).
In der Classic-Disziplin waren auch die vier weiblichen Seglerinnen angetreten. Female Champion wurde die Belgierin Astrid Janssens, die mit ihrem achten Gesamtplatz den meisten Männern das Heck zeigte. Die beiden Deutschen Maren Odefrey und Katrin Brunner waren nach langen Jahren in der hoch anspruchsvollen Open Klasse wieder zu den Classics gewechselt und bereuten ihre Entscheidung nicht, denn auch in dieser Disziplin ist guter Sport auf hohem Niveau geboten.
Bei den Open verfestigte sich ebenfalls das Bild des Vortages. Thomas Paasch (DNA F1X) holte sich den Gesamtsieg, gefolgt vom athletischen Polen Michal Korneszszuck (AD3). Rainer Bohrer vom Ammersee (AD3) errang mit konstanten vorderen Platzierungen die Bronzemedaille und wurde somit Deutscher Meister bei den Open. Sein häufiges Training auf dem Gardasee hat sich erneut voll ausgezahlt. Roeland Wentholt holte sich den deutschen Vizetitel.
Die Siegerehrung erfolgte bei schönstem Sommerwetter, passend zur gelösten Stimmung der Seglerinnen und Segler. Der 4 Nations Cup wird lange Jahre als eine der besten Regatten der A-Cats in Erinnerung bleiben. Das will etwas heißen, denn gerade die Saison 2026 ist nicht gerade arm an echten Highlights, und die Schweizer Meisterschaft in Maccagno am Lago Maggiore steht erst noch bevor.
Christian Stock GER 100
Bildnachweis: International A Class Association